Aufklärung in Deutschland
- Beginn ca 1687 mit der Einführung der deutschen Sprache an der Universität Leipzig
- Problem: Teilung in über 300 Einzelstaaten
a.) Übergangsphase (1680/90 - 1725)
- Vertreter: Christian Weise: - geb.: 30.04.1642 in Zittau als Sohn eines Gymnasiallehrers
- gest.: 21.Okt.1708
- lernte den Gebrauch, jährlich Schuldramen aufzuführen
- wurde später Rektor an seiner Heimatschule
- seine Theaterstücke wurden in Schulen in ganz Deutschland aufgeführt, denn im Stoff, Ideengehalt und sprachlicher Gestalltung entsprachen sie dem Besten, was das Bürgertum zu damaliger Zeit an literarischen Werken hervorbrachte
- Weise wird auch als Vorläufer Gellerts und Lessing betrachtet
- weitere Vertreter: Christian Reuter/Johann Gottfried Schnabel
b.) Gottsched-Periode (1725 - 1750)
- Johann Christoph Gottsched (1700-1766) war nicht nur ein vielseitig gebildeter, sondern auch vielseitig tätiger Mann. Als Philosoph und Dichtungstheoretiker, Lehrer der weltlichen und geistlichen Redekunst, Zeitschriftenherausgeber und -autor, Übersetzer, Propagandist einer nationalen Literatursprache, Gründer literarischer Gesellschaften und Theaterreformer hat er bestimmten Einfluß auf die geistige Kultur des deutschen Bürgertums gewonnen und die Dichtung in den Dienst der Aufklärung gestellt.
- die Dichtung war ihm eine Sache des Lernens (scribendi recte sapere est et principium et fons = Vernünftig sein ist Grund und Quelle des rechten Stils)
- so entstand sein "Versuch einer critischen Dichtkunst vor die Deutschen" (1730)
- in schroffer Abwendung vom barocken Stil wurde hier eine alles Wunderbare und Unwahrscheinliche ablehnende Poetik geschaffen, deren Ziele eine klare, deutliche, moralisch zweckmäßige, vom gesunden Menschenverstand geleitete Dichtung ist
- die Theaterreform war eine der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Leistungen Gottscheds
- die Theaterkultur am Anfang des 18. Jahrh. war gekennzeichnet durch Uneinheitlichkeit und ein Nebeneinander von höfischem Theater, Schulbühnen, Wandertruppentheater, Jesuitendrama, Opernpflege an den Höfen und in den größten Städten und Liebhabertheater einzelner Schichten des Bürgertums
- als Gottsched 1724 in Leipzig erstmals Schauspielaufführungen sah, stellte sich ihm folgender Zustand der dtsch. Schaubühne: "Lauter schwülstige und mit Harlekins- Lustbarkeiten untermengte Haupt- und Staats-Aktionen, lauter unnatürlicher Romanstreiche und Liebesverwirrungen, lauter pöpelhafte Fratzen und Zoten waren dasjenige, so man daselbst zu sehen bekam."
- Eine Komödie, welche man am häufigsten spielte, hieß: "Adam und Eva oder der Fall der ersten Menschen"
- Der Fehler an der ganzen Sache: das Stück war nie richtig niedergeschrieben und die Schauspieler hatten die Aufgabe, jede neue Aufführung aus den Stehgreif zu spielen
- nebenbei trat immer wieder der "Hanswurst" auf
- die Bühne war ein aus alten Brettern gebautes Gebäude
- In diesem Gewimmel, was höchstens zur Belustigung des Pöpels beitrug, kam eine liebenswürdige Frau zum Vorschein, die den Mut aufbrachte, das Theater zu reinigen, und ihm eine vernünftige Form zu geben
- diese Frau war die bekannteste Schauspielerin des 18.Jh., Friederike Caroline Neuber
- der Drang Gottscheds, diese Verhältnisse verändern zu helfen, führte ihn frühzeitig aus der Rolle des passiven Betrachters und Kritikers der Theaterverhältnisse heraus
- suchte Verbindung zur Neuberschen Theatergruppe, und empfahl, Tragödien und Lustspiele von Andreas Gryphius ins Programm mit aufzunehmen (Gryphius Lyrik und Dramatik wiederspiegeln eindrucksvoll Fühlen und Denken bürgerlicher Menschen des 17.Jh. (nicht den Adel)
- Lustspiel: "Absurda Comica oder Herr Peter Squenz" (1657)
- damit tat er den ersten Schritt zur notwendigen Einheit zwischen dtsch. Literatur und dtsch. Theater
- Franz Mehring (1893): "Er (Gottsched) legte das Schwergewicht seiner literarischen Reformen nicht in gottselige Gedichte, sondern auf des Teufels Kanzel, um im damaligen orthodoxen Jargon zu sprechen. Man sage nicht, Gottscheds Interesse für die Bühne sei nur eine Folge seiner Bewunderung für die höfische Dramatik der Franzosen gewesen. Denn er arbeitete nicht für Hofbühnen, sondern er machte verrufene Proletarier, wandernde Truppen, wie die Neuberin und ihre Gesellschaft, zu Sendboten seiner dramaturgischen Bestrebungen, was in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für eine akademische Perücke ein ganz achtungswertes Stück gesellschaftlicher Revolution war."
- errichtet mit der Neuberin eine Musterbühne seit 1727, die das literarische Drama pflegte
- weitere Vertreter: Christian Fürchtegott Gellert (1715 - 1769)
Johann Elias Schlegel (1719-1749)
c.) Lessing-Phase (Höhepunktsphase) (1750 - 1770)
- Friedrich Gottlieb Klobstock - der Wegbereiter der deutschen Klassik (1724 - 1803)
- Vertreter der Lyrik und brachte neue Gedichte heraus
- er schilderte weniger das Geschehen selbst, sondern mehr die Gefühle und Gedanken der Personen (Freundschaftsgedichte, Liebesgedichte, Oden)
- Epos: "Der Messias" (1748 - 1773)
- Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781)
- Zitat von Lessing: "Ich bin weder Schauspieler noch Dichter. Man erweist mir zwar manchmal die Ehre, mich für den letzteren zu erkennen, Aber nur weil man mich verkennt."
- Lessing war entgegen seiner Meinung ein großer Dichter, der die Aufgabe seines Lebens darin gesehen hat, mit schöpferischen Werken zur Entstehung der deutschen Nationalliteratur beizutragen. Dichtungen und besonders seine Meisterdramen "Minna von Barnhelm" (1767), "Emilia Galotti" (1772) und "Nathan der Weise" (1779) "Miss Sara Sampson" (1755)
- "Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück" entstand nach dem Krieg als Lustspiel
- "Emilia Galotti" spielt in der Zeit der alten Griechen als Trauerspiel
- in "Nathan der Weise" richtet sich Lessing gegen religiöse Unduldsamkeit und Fandalismus, wie er sich stets gegen Dummheit und Anmaßung wandte
- schrieb Schauspiele für die Neubersche Gruppe
- weitere Werke: "Hamburgische Dramaturgie" (2Bde. 1767-1769)
"Die Erziehung des Menschengeschlechts" (1780)
- weitere Vertreter: Christoph Martin Wieland (1733 - 1813)
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