Diese Seite drucken

Die DDR

Das Rad der Geschichte läßt sich nicht zurückdrehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es immer wieder zu Ausschreitungen kommt, die in gesellschaftlichen Veränderungen enden. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 kam es 1949 auch in Deutschland zu einer weitreichenden gesellschaftlichen Veränderung. Es kam aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen und Beteiligung fremder, ausländischer Mächte zur Teilung des gesamtdeutschen Staates. Deutschland wurde damals in vier Bereiche unterteilt, die den jeweiligen Besatzungsmächten zugeteilt waren. Auf alliierter Seite waren das Frankreich, England und die Vereinigten Staaten von Amerika. Auf gegnerischer Seite war dies die Sowjetunion. Die Alliierten gestatteten ihren Teilen als die Bundesrepublik Deutschland weiter zu existieren. Die östliche Besatzungszone der Russen wurde Zur Deutschen Demokratischen Republik gemacht und in ihr wurde der Sozialismus nach russischem Vorbild zur Staatsform.

Die westdeutschen Militaristen setzten 1961 alles auf eine Karte, indem sie die Kriegshetze und Wühltätigkeit gegen die Deutsche Demokratische Republik verstärkten. Die westdeutschen Imperialisten hatten sich verrechnet. Am Morgen des 13. August 1961 nahmen Angehörige der Berliner Kampfgruppen und der bewaffneten Kräfte der DDR die bis dahin offene Grenze zwischen der DDR und Westberlin unter Kontrolle. Es kam zur aggressiven Abgrenzung zwischen Ost und West, was auch als ‘Mauerbau’ bekannt war. Von nun an stand der umfassende Aufbau des Sozialismus in aller Bereichen im Vordergrund. Der Sozialismus sollte zum Hauptinhalt aller Tätigkeiten der Arbeiterklasse und Werktätigen werden. Umfassender Aufbau des Sozialismus hieß vor allem, die Arbeitsproduktivität ständig zu steigern, die modernen Erkenntnisse der Wissenschaft nutzbringend anzuwenden und die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten des Sozialismus allseitig und vollständig durchzusetzen. Die Produktion in Industrie und Landwirtschaft nahm einen wachsenden Aufschwung. Innerhalb von vier Jahren stieg die industrielle Produktion um 25 Prozent. Zugleich erhöhte sich die Qualität der Erzeugnisse, von denen viele an der Weltspitze konkurrieren konnten. Durch den Aufbau neuer moderner Industriebetriebe erhöhte sich die Erdölverarbeitung auf das Neunfache und die Produktion des wichtigen Plastrohstoffes Hochdruck-Polyäthylen sogar um das Zwölffache. In der BRD hat sich in der selben Zeit das Systems des staatsmonopolistischen Kapitalismus etabliert. Je größer die Erfolge der DDR im sozialistische Aufbau sind, je stärker also der friedliebende deutsche Arbeiter- und Bauernstaat ist und je mehr dadurch die Ideen des Friedens und des Sozialismus auch auf Westdeutschland ausstrahlen, um so eher werden die demokratischen Kräfte in Westdeutschland eine Wende herbeiführen.

            Wie der Verlauf der Geschichte deutlich macht, haben sich innerhalb von vierzig Jahren, seit 1949, zwei Länder völlig unterschiedlich entwickelt. Auf der einen Seite entwickelte sich der Kapitalismus und auf der anderen der Sozialismus. In der BRD gab es eine Verfassung, die den dortigen Staatsbürgern bestimmte Grundrechte zusicherte und diese auch verteidigte. In der DDR hingegen wurde eine Verfassung geschaffen, die dem Vorbild der Sowjetunion folgte und, statt den Bürger, den Staat unterstützte. Im weiteren Verlauf unserer Ausführungen wollen wir deutlich machen, wie und warum das System der DDR zum scheitern verurteilt war und welchen Einfluß die Bevölkerung auf bestimmte Geschehnisse hatte.

            Der Ausbruch und der Erfolg der "friedlichen Revolution" in der DDR können nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden. Ein ganzes Ursachenbündel und zahlreiche Anlässe haben dazu beigetragen, daß der SED-Staat zusammenbrach. Die Ursachen lassen sich in drei Grade unterteilen, die nach ihrer Wichtigkeit geordnet sind.

            An erster Stelle steht die Idee der Perestrojka und die damit verbundenen Demokratisierungsprozesse in einigen osteuropäischen Staaten. Man versuchte von der damaligen Sowjetunion ausgehend den Ostblock neu zu strukturieren, um mit dem Westen konkurrieren zu können, bzw. das eigene Überleben zu sichern. Entscheidende Voraussetzung war die Abkehr Gorbatschows von der Besschnew-Doktrin, die in der Vergangenheit die Souveränität der sozialistischen Staaten dekretiert hatte. Während im kommunistischen Machtbereich bis dato ein allgemeingültiges Modell des Sozialismus vom Kreml vorgegeben war, machte Gorbatschow bereits kurz nach seinem Amtsantritt den verbündeten Ländern zusagen zu einem eigenen Entwicklungsweg. Gorbatschow proklamierte ein "neues Denken". Auf die selbe Ebene, bzw. gleichgestellt mit dem selben Grad gehört die Lernfähigkeit der SED-Führung. Diese sahen keine Notwendigkeit darin, ihr Land neu "tapezieren" zu müssen, wenn ein Nachbar seine Tapete wechselt. Dies bezieht sich wiederum auf die von der Sowjetunion ausgehende Umgestaltung.. Die DDR-Führung nutzte diesen vergrößerten innen- und außenpolitischen Spielraum, der ihr von der Sowjetunion gegeben wurde jedoch nicht in geringsten Maße. Die Führung unter Erich Honecker betrieb weiterhin ihre Politik unter dem Motto "Sozialismus in den Farben der DDR". Man predigte Erneuerung, war aber in der Realität gegen jegliche Reformen. Mit dem Leugnen der meisten Probleme und deren allgemeiner Verdrängung entstand ein Problemstau, der nicht mehr zu stoppen war. Es beschäftigen sich noch heute viele Wissenschaftler mit der Frage, warum die DDR-Führung alle Wege der Modernisierung verbaute und sogar den kleinsten Versuch im Keim erstickte. Es entstand ein System von Korruption und Mißwirtschaft. Die Mehrheit der sich mit diesem Gebiet auseinandersetzenden Wissenschaftler ist der Meinung, daß es der Führung nicht gelungen war, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu begreifen, daß das Gesellschaftsmodell stalinistischer Herkunft an sein Ende gekommen war. Im Vergleich mit der Sowjetunion und anderen sozialistischen sich verändernden Ländern, erschien die Politik der DDR als ein Festhalten an überholten Vorstellungen und fortdauernde politische Repression.

An zweiter Stelle stehen die inneren Strukturprobleme der DDR. Darin enthalten sind die Wirtschaftskrise, die nachlassende Bereitschaft der Bevölkerung, grobe Verstöße gegen Recht und Verfassung hinzunehmen, sowie die fortschreitende Erstarrung des bürokratischen Apparates. Gründe für die verschlechterte Wirtschaft ist der Zustand der Produktionsanlagen und die schlechte Infrastruktur. Die in den Fabriken genutzten Anlagen, sowie die Produktionsweisen sind zum größten Teil sehr veraltet. Ein Großteil der im gesamten Land beschäftigten Personen ist im Reparaturbereich tätig. Der Handel mit den Westeuropäischen Ländern, insbesondere der Bundes Republik ist seit 1985 rückläufig. Ebenfalls eine negative Tendenz ist bei den Importen mit den OECD-Ländern erkennbar. Weiterhin ist auch die Kaufkraft der DDR-Währung gesunken. Um 1980 1 DM im Westhandel zu erlösen wurden 2,40 Mark benötigt. Im Jahre 1989 mußten bereits 2,40 Mark aufgebracht werden. Die Grundversorgung des Staates war immer gegeben. Die Vielfalt der Angebote war nicht sehr hoch, ebensowenig wie die Dauer des Angebotes. Bereits in den Abendstunden waren die meisten Regale leer. Der Schwerpunkt des Verkaufs lag nur in der Notwendigkeit und nicht in der Qualität, dem Sortiment, der Mode oder der Technik. Ein weiterer Punkt der sehr zum Untergang beitrug, ist der Vertrauensbruch der Partei mit der Bevölkerung. Dies geschah zum größten Teil durch die gefälschten Wahlen. Der Ein-Parteienstaat versucht massiv, seine Existenz zu sichern, indem die Wahlergebnisse manipuliert wurden.


Vorherige Seite: 2. Quellen
Nächste Seite: Die Geschichte Polens