4. Der 2. Weltkrieg
4.1. Umsetzung von Erfahrungen
Die im spanischen Bürgerkrieg gemachten Erfahrungen brachten für die deutsche Luftwaffe Vor- und Nachteile.
Ein Vorteil war sicher, dass die Deutschen in dieser Zeit eine sehr erfolgreiche Flugformation entwickelten. Während andere Luftstreitkräfte in so engen Formationen flogen, dass alle Piloten ausser dem Staffelführer sich nur gerade aufs Fliegen konzentrieren konnten, flogen die Deutschen in einem lockeren Verband, der weit mehr Bewegungsfreiheit zuliess. Diese Flugformation wurde von den anderen Mächten erst gegen Ende des Krieges übernommen.
Ein Nachteil war, dass durch das leichte Spiel im spanischen Bürgerkrieg die deutschen Maschinen nicht genügend bewaffnet waren. In der Luftschlacht um England war das dann auch der Grund, dass die englischen Maschinen den deutschen trotz geringerer Motorleistung etwa ebenbürtig waren.
Im Gegensatz zu den übrigen Kriegsmächten war für Japan von Anfang an die Wichtigkeit einer schiffsgestützten Luftwaffe bekannt. So war Japan die erste Macht, die Flugzeugträger als solche plante und baute. Die ersten Flugzeugträger hatten zwar die Amerikaner, doch diese waren alle nachträglich umgebaute Schlachtschiffe. Billy Mitchell warnte etwa 10 Jahre im voraus vor einem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour. Seine Landsleute jedoch schenkten lieber der sachlichen Antwort des japanischen Vizeadmirals Isoroku Yamamoto Glauben "Ich habe Amerika nie als potentiellen Feind betrachtet. In der japanischen Flottenplanung hat die Möglichkeit eines amerikanisch-japanischen Krieges nie eine Rolle gespielt.", als Mitchells aggressiv verfassten Voraussagen.
4.2. Bedeutung der Luftherrschaft
Das wohl wichtigste Ereignis im Luftkrieg war die Schlacht um England.
Aus Churchills Memoranden über den Kriegsverlauf wird ersichtlich, dass die Invasion und Eroberung Englands für Hitler nötig war, denn sonst hätte er sich auf eine unbegrenzte Verlängerung des Krieges mit all ihren unberechenbaren Zwischenfällen und Verwicklungen gefasst machen müssen. "Es war sehr wohl möglich," schrieb Churchill später, "dass ein Luftsieg über England das Ende des englischen Widerstands herbeiführen würde. Eine eigentliche Invasion würde im selben Augenblick, da sie durchführbar war, auch überflüssig, und der Feind brauchte nur noch ein besiegtes Land zu besetzen".
Dies sah auch Göring so. Er hatte nie viel von der Operation "Seelöwe" gehalten, sondern war mit ganzem Herzen bei dem totalen Luftkrieg. Die Vernichtung der RAF und der englischen Flugzeugindustrie war für die deutsche Kriegsmarine nur ein Mittel zum Zweck. Wäre es einmal soweit, so müsste sich der Luftkrieg gegen die feindlichen Kriegs- und Handelsschiffe wenden. Die Kriegsmarine sah es ungern, dass Göring dem Luftangriff auf Schiffe nur die zweite Priorität gab.
4.3. Luftschlacht um England
Die folgende Beschreibung der Luftschlacht bezieht sich auf Churchills Schilderung des 2. Weltkriegs.
In der Führung des deutschen Angriffs lassen sich drei aufeinanderfolgende, aber einander überschneidende Phasen erkennen. In der ersten Phase, vom 10. Juli bis 18. August 1940, nahmen die Deutschen die englischen Geleitzüge im Kanal und unsere südlichen Häfen von Dover bis Plymouth aufs Korn und hofften, auf diese Art unsere Luftwaffe auf die Probe zu stellen, in den Kampf zu verwickeln und zu erschöpfen. Gleichzeitig sollten jene Küstenregionen bombardiert werden, die als Ziele der geplanten Invasion ausersehen waren. In der zweiten Phase, vom 24. August bis zum 27. September 1940, plante die deutsche Luftwaffe, durch Vernichtung der RAF und ihrer Bodenorganisation den Weg zur heftigen und pausenlosen Bombardierung der Hauptstadt freizulegen. Auf diese Art würde auch die Verbindung zu den bedrohten Küsten abgeschnitten werden. Doch nach Görings Auffassung bestand begründete Aussicht, hier einen grösseren Preis zu erringen: Nichts Geringeres nämlich, als die grösste Stadt der Welt mit Verwirrung und Lähmung zu schlagen, Regierung und Volk einzuschüchtern und dem deutschen Willen zu unterwerfen. Marine und Heer hofften inbrünstig, Göring möge recht behalten. Später mussten sie erkennen, dass die deutsche Luftwaffe die RAF nicht auszuschalten vermochte, während ihre eigenen dringenden Vorbereitungen für das "Seelöwe" -Abenteuer um der Zerstörung Londons Willen vernachlässigt worden waren. Und dann, als die Deutschen sich in all ihren Hoffnungen getäuscht sahen, als die Invasion mangels der allernötigsten Voraussetzung, der Luftüberlegenheit, auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, folgte die dritte und letzte Phase. Die Hoffnung, den Sieg mit Tagangriffen zu erringen, war geschwunden, denn die RAF legte eine unangenehme Lebendigkeit an den Tag. Und im Oktober musste sich Göring darauf beschränken, London und die Industriezentren wahllos zu bombardieren.
4.4. Entwicklung während des Krieges
Während sich an der Handhabung der Luftwaffe während des 2. Weltkrieges nicht viel änderte, machten sich gerade die Konstrukteure schwer an die Arbeit. Auffällig für die Flugzeugentwicklung während des 2. Krieges ist die Vielfältigkeit und die kurze Zeit, die benötigt wurde, um ein neues Flugzeug abheben zu lassen.
Durch die Weiterentwicklung des Radars im Jahre 1940 mittels Verwendung von Mehrkammer-Magnetronen war es möglich, Flugzeuge damit auszurüsten.
Die Konsequenz daraus waren vermehrte Nachtangriffe beider Seiten.
1942 fanden die Briten heraus, dass man mit Bündeln von Alustreifen das Radar stören konnte: Bomber könnten sich hinter falschen Echos verstecken, etwa so wie ein Tintenfisch in seiner Tinte. Wenn die englischen Bomber aber diese "Window" genannten Bündel verwendeten, so würden die Deutschen hinter das Geheimnis kommen und diesen Trick innert kürzester Zeit auch anwenden. Deshalb wurde das Ganze streng geheim gehalten. In Wirklichkeit war es aber kein Geheimnis, da zur selben Zeit die Deutschen die gleiche Entdeckung machten. Aber auch sie trauten sich nicht, Alustreifen abzuwerfen und so das "Geheimnis" preiszugeben. Die "Windows" wurden erst gegen Ende des Krieges von den Briten angewendet, als es der deutschen Luftwaffe unmöglich war, zu einem Gegenschlag auszuholen.
Um die Reichweite und Tragkraft der deutschen Bomber He111 zu erhöhen, wurde das "Mistel"- Projekt entwickelt. Die Idee war, das ganze Innenleben der He111 durch Sprengstoff zu ersetzen. Damit erreichte man eine konzentrierte Sprengkraft, die genügte, um 7.9 m Stahl oder 20.1 m Stahlbeton zu durchschlagen. Auf dem Bomber wurde anschliessend eine Messerschmitt Bf109 befestigt. Kurz vor dem Ziel klinkte sich der Pilot aus, um mit seiner noch vollgetankten Bf109 an den Ausgangspunkt zurückzukehren.
Eine wohl revolutionäre Wendung der Luftfahrt trat im April 1944 ein, als die deutsche Luftwaffe 16 Me262 erhielt. Es waren die ersten strahlgetriebenen Flugzeuge, die an der Front eingesetzt wurden. Doch kamen sie zu spät, um eine Wendung ins Kriegsgeschehen zu bringen. Wenig später, erstmals an Weihnachten 1944, wurde auch die Arado Ar234 eingesetzt, der erste strahlgetriebene Bomber, der schon sehr zukunfsweisende Formen hatte. Es war auch das erste Flugzeug mit einem serienmässig eingebauten Schleudersitz.
Die Deutschen waren nicht die einzigen, die das Strahltriebwerk einsetzten: 1943 hatte der erste in Grosserie hergestellte Düsenjäger der USA, der Lockheed P-80A Shooting Star, seinen Erstflug. Er gelangte aber nicht vor der japanischen Kapitulation in den Truppendienst.
Eine weitere Entwicklung bei den Deutschen waren die "Vergeltungswaffen" V1 und V2.
Vor allem von der V2, einer Flüssigkeitsrakete, die mit einer Geschwindigkeit von 5700 Kilometern pro Stunde flog, versprach sich Hitler jenen Erfolg, auf den er so lange gewartet hatte. Bei all ihrer Brillanz und ihren technologisch bahnbrechenden Leistungen hatte die deutsche Wissenschaft zuwenig und dieses Wenige zu spät hervorgebracht, um die Niederlage noch abzuwenden.